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Willkommen auf der Webseite der
Besitzervereinigung für Vollblutzucht & Rennen e.V.

Züchten ?


Warum und wie?

In den Archiven unserer bis ins 18. Jahrhundert zurückgehenden Aufzeichnungen der Vollblutzucht tauchen viele glorreiche Namen als Züchter der größten und erfolgreichsten Pferde auf, große Gestüte, traditionsreiche Namen, die Sie auch in diesem Atlas wiederfinden, wie z.B. das älteste deutsche Privatgestüt, das Gestüt Schlenderhan.

Heißt dies nun, um einen Vollblüter züchten zu können, müsse man über ein großes Gut, landwirtschaftliche Fläche und ein riesiges Vermögen verfügen? Sieht man in die offiziellen Regelwerke, die von der Zuchtorganisation, dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V., herausgegeben werden, so stellt man fest, dass sich jeder Züchter mit den Bestimmungen des Tierzuchtgesetzes konfrontiert sieht. "Züchter ist, wer gemäß Tierzuchtgesetz die Voraussetzung einwandfreier züchterischer Arbeit erfüllt und zur Zeit der Geburt eines Pferdes Besitzer der Mutter ist." Die etwas steife Formulierung soll über eines nicht hinwegtäuschen: Züchter ist der Besitzer der Stute in dem Moment, in dem das Fohlen zur Welt kommt.

Es heißt nicht, dass Sie selbst auf Ihrer eigenen Scholle im eigenen Stall das Fohlen auf die Welt bringen müssen. Züchter ist ein rechtlicher Begriff und dieser rechtliche Begriff umfasst nicht die Faszination, die mit dem Züchten von Pferden verbunden ist. Denn in dem Moment, in dem das Fohlen auf die Welt kommt, in dem Sie als Besitzer der Zuchtstute zum Züchter werden, beginnt für Sie eine andere Sichtweise.

Für viele Besitzer, auch von Rennpferden, sei es im aktiven Trainingsbetrieb auf der Rennbahn oder als "Freizeitpferd", steht der tägliche aktive Umgang mit dem Pferd im Vordergrund. Als Züchter verändern sich Zeit und Denkabläufe. Frühestens zwei Jahre, nachdem Ihr Fohlen auf die Welt gekommen ist, wird es das erste Mal in einem Rennen laufen können. Mit drei oder vier Jahren wird es seinen Leistungszenit erreichen, aber natürlich kann bis dahin auch viel passieren und die Karriere als Rennpferd ist frühzeitig beendet. Wenn man aber als Züchter in den Genuss kommt, seinen selbstgezogenen Sieger vom Geläuf abholen zu können, ist dieses Gefühl unbeschreiblich und macht so manchen Rückschlag wett. Zucht heißt "Ethik und Verantwortung" tragen. Verantwortung für die Produkte, die man damit ins Leben bringt, aber auch eine Verantwortung für die Fortentwicklung unserer Zucht. Das ist mit dem zweiten Definitionsteil gemeint, der die Voraussetzung einwandfreier züchterischer Arbeit erfordert.

Als Besitzer einer Stute mit Rennleistung stellt sich nun die Frage, wie man diese Voraussetzungen einwandfreier züchterischer Arbeit erfüllen soll. Nicht jeder verfügt über ein großes Gelände, über die Erfahrung im Umgang mit Pferden, über das notwendige Personal, über die geeigneten großen, modernen, lichtdurchfluteten Stallungen, die notwendig sind, um Leistungspferde zu züchten und - das Wichtigste überhaupt für die Zucht von Vollblütern - über die notwendig großen Weideflächen.

Vor diesem Problem steht die große Anzahl der Züchter von Vollblutpferden. Die meisten Züchter sind aktive oder ehemalige Besitzer, in deren Farben eine Stute eine zur Zucht qualifizierende Leistung errungen hat, oder sich durch ihre eigene Abstammung dafür qualifiziert hat.

Denn über 80% der deutschen Züchter haben nur ein bis zwei Stuten. Die meisten dieser Stuten stehen in anerkannten Vollblutgestüten, die Pensionspferde annehmen. So hat auch der "kleine" Züchter die Möglichkeit, von der Erfahrung und dem jahrelangen Know-how dieser Gestüte zu profitieren.

Die Pensionsgestüte übernehmen, neben der täglichen Betreuung des Pferdes, auch sämtliche Formalitäten, organisieren die notwendigen Behandlungen durch den Tierarzt und bestellen den Hufschmied. Der Züchter selbst kann also sicher sein, sein Pferd von der Geburt bis zum Einzug in den Rennstall optimal versorgt zu haben.

Nach der Geburt bleibt das Fohlen in der Regel 5-6 Monate bei der Mutter. Dann wird es abgesetzt, um als Hengst oder Stute in einer entsprechenden Gruppe von Gleichaltrigen seine weitere Aufzucht zu erfahren. Dies ist wichtig, damit sich die Pferde früh als Herdentiere mit Gleichaltrigen messen können, viel Bewegung haben und das notwendige soziale Verhalten innerhalb ihrer Gruppe erlernen.




Freude beim Jockey über den Sieg im Großen Preis von Baden mit Prince Flori 

Aus dem Absetzer wird am 1. Januar des dem Geburtsjahr folgenden Jahres ein Jährling. Er verbleibt in der Regel bis zum Herbst im Gestüt und wird dann im Rennstall auf seine weitere Verwendung als Leistungspferd im Pferderennsport vorbereitet. Eine weitere Entscheidung, die hier nun der Züchter treffen muss ist: Wird er das Pferd behalten, um es unter eigenen Farben im Rennen aufzubieten, oder wird das Pferd verkauft? Viele Pferde werden als Jährling verkauft, um auch die Besitzer zu bedienen, die nicht selbst züchten. Man kann die Pferde direkt ab Gestüt verkaufen oder auf einer der Auktionen. Bei der großen Jährlingsauktion und der Herbstauktion der BBAG in Baden-Baden wechseln pro Jahr mehrere hundert Jährlinge den Besitzer.

Ganz gleich, wie man fortfährt mit der Nachzucht, eigentlich hat sich schon vor der Geburt des Fohlens die nächste Frage gestellt: Von welchem Vater soll das nächste Fohlen sein? Das einfachste Rezept: "Paare das Beste mit dem Besten und erhoffe ein gutes Ergebnis", führt nicht immer zum Ziel und unterliegt sicherlich auch finanziellen Beschränkungen.

Die Decktaxe, die bei Trächtigkeit vom Stutenbesitzer an den Hengsthalter zu zahlen ist (in der Regel bei Trächtigkeit am 01. Oktober), variiert von Hengst zu Hengst in Deutschland zwischen 500 Euro und 120.000 Euro! Dies ist abhängig von den Leistungen der bisherigen Nachkommen des Deckhengstes, dessen eigener Rennleistung, dessen Exterieur und sicherlich auch von der Verbreitung seines genetischen Materials.


Die beste Adresse, sich hier beraten zu lassen, ist die von erfahrenen Züchtern. Auch hier sind das Pensionsgestüt oder einer der Vollblut-Agenten, die teilweise auch als Zuchtberater tätig sind, gute Ratgeber, aber wie Tony Morris, einer der weltweit erfahrensten Rennsport-Journalisten geschrieben hat: "Ein Patentrezept gibt es nicht."

Die Vollblutzucht ist international, so dass eine in einem Land anerkannte Vollblutstute auch in allen anderen Ländern von anerkannten Hengsten gedeckt werden kann. Gerade im grenzenlosen Europa findet mehr und mehr ein internationaler Austausch zwischen deutschen, englischen und französischen Gestüten statt.

Dies alles muss vorab geplant und organisiert werden. Hier stehen sowohl das Hengstgestüt, das Pensionsgestüt als auch die Zuchtberater zur Verfügung.

Der Ansporn für jeden Züchter, weiter zu machen, bleibt die Hoffnung auf den eigenen Derbysieger, auf das Pferd, das als Dreijähriger das Beste aller sein wird. erfolgreichen Züchter



Vier Schritte zum
erfolgreichen
Züchter



1.  Auswahl der Zuchtstute:

Entweder ein aktives Rennpferd, das überdurchschnittliche Rennleistungen oder eine Ansammlung sehr erfolgreicher Pferde in nächster Verwandtschaft sowie ein korrektes Exterieur aufweist.

2.  Wie erwerbe ich eine Mutterstute?

Der einfachste Weg ist, auf der Herbstauktion der BBAG (Baden-Badener Auktionsgesellschaft) eine tragende Mutterstute zu erwerben. Sie sehen im Katalog, welche Nachkommen die Stute bisher zur Welt gebracht hat und was diese für Leistungen erbracht haben. Die Auswahl und das Risiko, die mit dem Decken verbunden sind, haben Sie sich so erspart und Sie können sich darauf freuen, in einigen Monaten Ihr erstes Fohlen gezüchtet zu haben. Andernfalls gibt es auch die Möglichkeit, bei den großen Gestüten nachzufragen, ob diese tragende Mutterstuten abgeben. Die großen Gestüte stellen häufig im Verlauf des Jahres Pferde aus dem Rennstall in das Gestüt ein, um dort mit diesen Pferden zu züchten. Stuten, deren Blutlinien stark im Gestüt vertreten sind oder oftmals sehr erfolgreiche, aber doch schon ältere Vollblutstuten, wechseln das Gestüt, um dort Platz zu schaffen für mehr genetische Vielfalt.

3.  Auswahl des Gestüts:

Sofern das Pferd auf eigenem Grund und Boden stehen soll, sind ordentliche pferdegerechte Ställe, viel Licht, Luft, fachliche Betreuung und vor allen Dingen ausreichende Fläche Voraussetzung. Auswahl des Pensionsgestüts: Hier ist auf die Anzahl des Personals, dessen Qualifikation, die baulichen Gegebenheiten und die Fläche zu achten.

4.  Auswahl des Deckhengstes:

Es gibt zwei grundsätzliche Überlegungen. Die eine ist eine Analyse des Pedigrees unter Berücksichtigung von Hengstlinien, Stutenlinien und Familien, um sich dann zu entscheiden, welche Linie am besten dazu passt. Dies führt unter Umständen nicht zu Pferden, die aktuell gut vermarktet werden können. Die zweite Überlegung ist, Hengste aufzusuchen, die zur Zeit aktuell am Markt z.B. aufgrund Ihrer Nachkommenleistung stark nachgefragt werden. Dieser Weg ist mit Sicherheit eher einzuschlagen, wenn Sie an eine spätere Vermarktung des Produktes denken. Aber Achtung! Jede Entscheidung heute führt erst in zwei Jahren zu einem Jährling und der Markt kann sich verändern.

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