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Besitzervereinigung für Vollblutzucht & Rennen e.V.

aktuellle Information zum Stand der Strukturreform - Antwort auf einen "offenen Brief"

09.01.2009

Köln, 09. Dezember 2009

In den vergangenen Tagen haben einige Mitglieder der BV und anderer Verbände sowie Rennsportinteressierte einige Fragen in einem "offenen Brief" an das DVR und die BV gestellt.

Nach Abstimmung zwischen den jeweiligen Vorsitzenden von DVR. BV und BGG drucken wir folgend die Antwort ebenfalls offen ab. Die Mitglieder der BV, die den "offenen Brief" unterzeichnet hatten, werden auch direkt schriftlich kontaktiert.

 

 

 

An die

Damen und Herren Unterzeichner

des offenen Briefes vom 30.12.2008

 

- je besonders -

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

der Vorstand des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen und das Präsidium der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen, als direkte und indirekte Adressaten Ihres offenen Briefes, möchten Ihnen die von Ihnen aufgeführten Fragen gerne beantworten, obgleich vielfach ganz oder teilweise auf Veranstaltungen der BV, oder in persönlichen Gesprächen mit einzelnen Unterzeichnern des offenen Briefes, diese Fragen bereits beantwortet wurden.

 

Grundsätzlich stimmen wir Ihnen zu, dass die Kommunikation innerhalb des Rennsports verbesserungsfähig ist, doch ist gerade innerhalb eines Geschäftsbetriebes eine Rücksichtnahme auf die Vertrags- und Verhandlungspartner, bzw. auf den Gegenstand von Verhandlungen, wichtig und erforderlich. Als Beispiel sei hier nur die mögliche Einholung von Wettbewerbs-Angeboten genannt, was bei Offenlegung von Details nicht möglich ist.

 

Lassen Sie uns nun Punkt für Punkt auf Ihre Fragen eingehen.

 

  • Ist es richtig, dass die Verhandlungen mit dem angekündigten Investor bereits seit Anfang Dezember endgültig gescheitert sind?

Diese Frage ist eindeutig mit Nein zu beantworten. Weder mit den angekündigten Investoren, es handelt sich hierbei um eine Gemeinschaft, noch mit den sonstigen Partnern des Joint Venture sind die Verhandlungen endgültig gescheitert. Statt dessen wurde gerade im Dezember und auch jetzt aktuell über verschiedene inhaltliche und rechtliche Aspekte intensiv und auf höchster Ebene gesprochen und Lösungsalternativen erarbeitet Dies ist insbesondere wichtig, da wie in jeder Vertragsverhandlung, jede Partei bis zur Unterschriftleistung ihre Zustimmung verweigern kann. Auch externe Faktoren, wie die in den letzten Monaten schwierig gewordene Refinanzierung am Kapitalmarkt, können sich auf Investoren-Entscheidungen auswirken.

 

  • Welche Vertreter des Sports verhandeln derzeit mit welchen Unternehmen und Personen?

Grundsätzlich werden die Gespräche von der Geschäftsführung der DVR-Wirtschaftsdienste geführt, in wichtigen Detailfragen wird diese von einer Verhandlungskommission unterstützt.. Für die Rennvereinsseite sind dies die Herren Albrecht Woeste und Ferdinand-Alexander Leisten, für die BV-Seite die Herren Paul von Schubert und Andreas Tiedtke. Über den Fortgang der einzelnen Gespräche wird dem DVR-Vorstand regelmäßig berichtet. Bei wichtigen Entscheidungen zwischen den Vorstandssitzungen werden der Präsident, der Vizepräsident und der Vorsitzende der BGG, also die Herren Borchert, Ostermann und Vogel zeitnah unterrichtet.

 

  • Was ist Gegenstand und Ziel dieser derzeitigen Verhandlungen?

Gegenstand und Ziel der derzeitigen Verhandlungen ist es, im Sinne einer Interessen-Identität zwischen Investor und Galopprennsport eine optimale Ausgestaltung der Vertragsbeziehungen, sowohl für die Ausgestaltung des Joint Ventures als - und viel wichtiger - für eventuell auszutauschende Dienstleistungen zu verhandeln. Ziel ist es, dass innerhalb des Rahmens des von DVR-Mitgliederversammlung genehmigten Joint Venture-Vertrages der deutsche Galopprennsport in die Lage versetzt wird, selbständig eine eigene Rolle am Markt zu spielen und somit nachhaltig Erträge zu generieren, die in die Fortentwicklung des Standortes Deutschland für Zucht und Rennensport re-investiert werden können.

 

  • Falls die Verhandlungen nicht vom Geschäftsführer des DVR geführt werden, warum wurde dieser nicht weiter mit einer seiner vordringlichsten Aufgaben betraut? Wer hat die Verhandlungsführer seitens des Sports mandatiert bzw. legitimiert?

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsdienste und das geschäftsführende Vorstandsmitglied des DVR e.V. führt wesentlich die Verhandlungen, er wird je nach Notwendigkeit zu seiner eigenen Entlastung von Mitgliedern der Verhandlungskommission unterstützt. Es ist neben den grundsätzlichen Ausgestaltungen von Verträgen, welche häufig auf der Spitzenebene von Vorständen diskutiert werden, eine fast unendliche Menge von Details zu verhandeln. Hier liegt eine der Kernaufgaben des Geschäftsführers der DVR GmbH, welcher dieser, unterstützt vom Leiter Finanzen, Herrn Engels, im Tagesgeschäft ausführt. Zudem gibt es weitere Aufgaben im operativen Tagesgeschäft der DVR-Wirtschaftsdienste, die der Aufmerksamkeit des Geschäftsführers bedürfen. Auch das Direktorium mit seinen Mitarbeitern, der Führung von Konten, der Absicherung eines ordnungsgemäßen Ablaufes von Zucht und Rennen, bedarf eines Teils der Arbeitszeit des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes. Die Mitglieder der Verhandlungskommission sind vom Vorstand des DVR e.V. einstimmig benannt worden.

 

  • Mit welchen möglichen Partnern wurde in den vergangenen zwei Jahren verhandelt? Warum haben diese Verhandlungen keine Ergebnisse geliefert, die nunmehr eine Wiederaufnahme rechtfertigen?

Wie bereits auf verschiedenen Veranstaltungen öffentlich dargestellt, wurden mit über 10 individuellen Partnern oder Investorengruppen Verhandlungen begonnen, die in unterschiedlichen Stadien gescheitert sind. Gescheitert sind sie in der Regel, weil entweder das Geschäftsmodell Rennsport / Pferdewette / Glücksspiel nur für einen Bruchteil potentieller Investoren wirklich ein bekannter und somit einzuschätzender Markt war. Zum anderen aber die grundsätzlichen Daten des deutschen Galopprennsports eine viel tiefere Beschäftigung mit der Materie bedurften, als oberflächlich möglich ist. Der mögliche Investor wird zwar in ein "Start Up Unternehmen" investieren, allerdings in einem realen und sehr wettbewerbsintensiven Markt, der wiederum durch verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen definiert ist. Dafür ist ein umfangreiches Zahlenwerk, das den Wettbewerb analysiert und unsere Position in diesem Wettbewerb darstellt, aufgearbeitet worden und muss geprüft werden.

 

Allein die Prüfung der vorhanden Daten und Zahlenwerke waren derartig aufwändig, dass auch bereits hier ein weiterer Teil potentieller Investoren abgelehnt hat. Ob und inwieweit eine Wiederaufnahme möglich ist, hängt letztendlich davon ab, ob die Verhandlungen, die zur Zeit geführt werden, nicht zum Erfolg führen und eine von uns zu fordernde Interessen-Identität zwischen Investor und den Interessen des Rennsports gegeben ist. Wir verkaufen nicht ein Produkt und erhalten einen Kaufpreis dafür, sondern wir  investieren gemeinsam mit dem Investor in ein neues Geschäftsmodell, das beiderseitig Erträge bringen muss. Der Partner will sorgsam gewählt werden, denn eine zweite Chance nach einem eventuell fehlgeschlagenen Investment  wird es wohl nicht geben.

 

  • Wer soll den Sport und die Interessen der Aktiven in dem geplanten Joint Venture vertreten und wie soll eine effektive Kontrolle und Steuerung des Joint Venture sichergestellt werden?

Den Sport und die Interessen der Aktiven in dem geplanten Joint Venture vertritt der Mehrheitsgesellschafter. Dies ist und bleibt der DVR e.V., also das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen mit seinen Mitgliedsverbänden: Besitzerseite, Rennvereinsseite, Amateurrennreiter, Trainer, Berufsrennreiter und Besitzertrainer. Daneben ist ein Beirat installiert an den die Geschäftsführung regelmäßig berichten wird und der bei wichtigen Entscheidungen mit einzubinden ist.   Die Mitglieder des Beirates im Joint Venture sind für die Rennvereinsseite Herr Albrecht Woeste und für die Besitzerseite Herr Gregor  Baum. Die Geschäftsführung ist paritätisch vom Rennsport und Investor besetzt. Über den Beirat bis in die Gesellschafter-Versammlung werden wir darauf achten - und dies ist in entsprechenden Klauseln im Joint Venture festgeschrieben -  dass keinerlei Einflüsse in das Rennsystem möglich sind. Der e.V. als Aufsichtsorganisation über Zucht- und Rennbetrieb ist von allen wirtschaftlichen Entscheidungen der operativen GmbH in seinen gemeinnützigen Aufgaben nicht tangiert.

 

  • Welche Initiativen gibt es, um die Stellung des Sports im Markt zu verbessern und unlauteren Wettbewerb fernzuhalten?

Die Hauptinitiative, die Stellung des Sportes im Markt zu verbessern, ist, sich dem Markt erstmalig zu stellen. Wir haben dies bisher nicht getan. Während die Marktteilnehmer zum Großteil für den Wetter attraktive Produkte angeboten haben, haben wir uns ausschließlich auf die Totalisatorwette konzentriert, die schon historisch in Deutschland einen anderen und geringeren Stellenwert hat, als beispielsweise in Frankreich. Indem wir uns erstmalig dem Wettbewerb in diesem Bereich stellen, und darauf achten, dass unsere Wettbewerber sich an Recht, Gesetz und vertragliche Beziehungen halten, kann man unlauteren Wettbewerb fernhalten. Im Rahmen der in Deutschland geltenden Regeln und der EU-Rechtsprechung werden wir uns wettbewerbsgetreu verhalten und hoffen, dass wir durch attraktive Angebote und nicht durch staatliche Regulation eine dauerhaft nachhaltige Position erwerben können.

 

  • Wie ist der aktuelle Status des Zukunftsfonds bezüglich der Einzahlung und der Mittelverwendung?

Zum Zukunftsfonds hört und liest man immer sehr abenteuerliche Zahlen und Überlegungen. Der Zukunftsfonds wir gespeist auf Besitzerseite mit 1% von Rennpreisen, Züchterprämien und sonstigen Ausschüttungen, dies sind ca. 240.000 ¤ pro Jahr, mit einer Festsumme der Rennvereine (81.000 ¤) und mit einer Abgabe der Aktiven über ihre Prozente. Diese Summe von insgesamt weniger als 400.000 ¤ pro Jahr wird ausschließlich für die Zwecke der Strukturreform verwandt. Es sind dies insbesondere Rechtsberatungskosten, die entstehen durch die Notwendigkeit sämtliche Verträge, sei es mit den Rennvereinen, sei es mit dem Investor, insbesondere auf ihre kartellrechtliche Unbedenklichkeit zu prüfen. Bei jeder Rechtsbeziehung, die wir eingehen, ist der Bestand der Gemeinnützigkeit des DVR e.V. sicherzustellen. Wer sich an die in der Vergangenheit geführten Buchmacherprozesse und deren immense Kosten erinnert, wird verstehen dass wir bei einem eigenen Investment sehr viel Wert darauf legen, in jeglicher Form rechtlich abgesichert zu sein. Mit den Mitteln des Zukunftsfonds wird im Rahmen der DVR-Wirtschaftsdienste an der Marktfähigkeit gearbeitet. Ein geringer Teil der Mittel fließt u.a. in Personalkosten und Aufwendungen, die im direkten Zusammenhang mit der Ausarbeitung der Verträge verwandt wurden. So beschäftigt das Direktorium erstmalig in seiner Geschichte einen Controller, der die Vertragsverhandlungen mit aufbereitetem Zahlenmaterial begleitet. Ein Teil der Arbeitskraft des kaufmännischen Leiters des Direktoriums, als auch ein Teil der Arbeitskraft des Geschäftsführers der Wirtschaftsdienste wird u.a. aus diesem Zukunftsfonds beglichen. Die Mitgliederversammlung des Direktoriums im Jahr 2007 hat den Zukunftsfonds aus dem e.V. in die operative Einheit DVR-Wirtschaftsdienste gelegt, um unabhängig vom Geld eines möglichen Interessenten die notwendigen rechtlichen Vorbereitungen treffen zu können. Wie bei seiner Installation angekündigt, läuft der Zukunftsfonds am 30.06.2009 automatisch aus.

 

Aus Sicht der Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen, als einem Teilansprechpartner des Offenen Briefes, möchte diese noch einmal darauf hinweisen, dass die Besitzervereinigung ihre Mitglieder und die rennsportliche Öffentlichkeit, wie bei der ordentlichen Mitgliederversammlung angekündigt, über den Fortgang der Verhandlungen nicht nur durch Rundschreiben, sondern auch auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, informiert. Dies ist den Mitgliedern der Besitzervereinigung und der rennsportlichen Öffentlichkeit durch die Informationsschreiben vom 21. November und 15. Dezember 2008 mitgeteilt worden. Ein endverhandelter unterschriebener Vertrag lag Anfang Dezember nicht vor, so dass sowohl die Mitgliederversammlung des Direktoriums, als auch unsere angedachte Informationsveranstaltung im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung verschoben wurden. Die außerordentliche Mitgliederversammlung der Besitzervereinigung findet am letzten Februar-Wochenende (28.2.2009) statt. Eine gesonderte Einladung hierzu erfolgt rechtzeitig. Die Mitgliederversammlung des DVR findet nunmehr im März statt.

 

Mit den besten Wünschen

 

Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V.

Jochen Borchert - Vorsitzender

 

Besitzervereinigung für Vollblutzucht und Rennen e.V.

Manfred Ostermann - Präsident

 

Betriebsgesellschaft der Galopprennvereine mbH

Jan Anthony Vogel - Vorsitzender  des Verwaltungsrates

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